Happiness und New Work: Macht uns New Work glücklicher? Ein historischer Blick

Unter dem Schlagwort „New Work“ laufen viele Trends und Forderungen zusammen, die versuchen, Arbeit moderner, flexibler, eigenverantwortlicher und – so heißt es – menschlicher zu gestalten. Wie sieht das konkret aus? Was ist es an New Work, das unsere Arbeit verbessert? Und wo kommt das ganze her?

New Work ist 40 Jahre alt und aus Amerika.

Der Begriff New Work geht zurück auf Frithjof Bergmann. Der amerikanische Philosoph mit Deutscher Herkunft gründete in den 1980er Jahren gemeinsam mit General Motors das Zentrum für Neue Arbeit. Die Bewegung, die heute in Deutschland so populär ist, hat hier also ihre theoretischen Wurzeln.

Es ging vom Fließband zur Selbstverwirklichung durch mehr Freizeit und erfüllenderem Beruf.  

In den 1980er Jahren sah such die amerikanische Automobilindustrie mit einer Entlassungswelle konfrontiert – Ursache: Automatisierung. Die zahllosen Fließbandarbeiter, die deren Jobs überflüssig geworden sind in einer beruflichen Neuorientierung zu unterstützen, war die Startaufgabe des Zentrums. Konkret ging es darum, den Betroffenen zu helfen herauszufinden, was sie beruflich wirklich tun möchten und dieses dann auch umzusetzen.

Das Zentrum für Neue Arbeit stützte sich dabei auf einige ursprüngliche Überlegungen von Bergmann, die den eigentlichen theoretischen Hintergrund zu New Work liefern, auch heute noch.

Erst vor 200 Jahren etwa etablierte sich im Zuge der Industrialisierung das Lohnarbeitssystem, in der Arbeit für Menschen eine Bürde ist, die sie bis zur Rente zu tragen haben. Eine lähmende Erscheinung, eine Pflicht, der antriebslos und kreativitätslos nachgegangen wird. Bergmann sah hier eine Polarität, denn Arbeit kann – im Gegenteil – auch Energie erzeugen im Menschen und zu einem erfüllten Leben beitragen. Für Bergmann schien es möglich, die erste Version der Arbeit als überholt zu deklarieren und durch New Work mit der zweiten Version abzulösen.

Digitalisierung wurde schon damals als Chance für Neue Arbeit gesehen.

Um dies zu erreichen, stellte Bergmann drei Forderungen auf:

  1. Jeder geht der Arbeit nach, der er nachgehen möchte und hat so Freude an ihr.
  2. Technischer Fortschritt u. a. ermöglicht es Gemeinschaften von Menschen Dinge selbst herzustellen, die ein gewisses Maß an Selbstversorgung und damit Unabhängigkeit von der Lohnarbeit erlauben (High-tech-self-providing).
  3. Mit dem Geist der neuen Arbeit sollen Produkte entwickelt werden, mit denen Geld verdient werden kann, unabhängig von der Lohnarbeit.

Die sich bereits abzeichnende Digitalisierung wurde von Bergmann also als Chance betrachtet – als Chance, den Menschen aus der Lohnarbeit zu befreien.

Arbeit soll mit Freiheit und Freude passieren statt lähmende Bürde sein.

Der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft wird als Anlass gesehen, klassische, starre Arbeitsstrukturen zu lockern, flexibler zu machen oder gar aufzulösen, um Bergmanns Idee einer erfüllenden Arbeit Raum zu geben.

Der Abschied von der Fließbandarbeit sollte damals für die Arbeiter eine Chance sein. Eine Chance, kreativ zu werden bzw. die eigene Kreativität in der Arbeit einzusetzen und seine Persönlichkeit über die richtige Wahl der Tätigkeit aber auch durch die Tätigkeit zu entfalten. Jetzt musste die Arbeitswelt dies nur noch für die Masse möglich machen. New Work möglich machen. Das war Bergmanns Mission. Seine Utopie.

Der Vater von New Work ist heute enttäuscht von den gängigen Maßnahmen.

Heute ist er von der New Work Bewegung enttäuscht, wie der 88 Jährige in einer Veranstaltung von Xing mitteilte. Ihm ging es um Grundsätzliches – Arbeit, die erschöpft, zu der Menschen keinen inneren Bezug haben, sei das Problem. Tischfußballtische, Kanbanboards und Homeoffice sind hier keine Lösungen.

Also nochmals zur Utopie. Geldverdienen ist notwendig. Muss dies aber in einer Arbeit passieren, die dem Menschen nicht liegt, sollte die Hälfte der Arbeitszeit hier für das Minimum ausreichen. Wie? Weniger Konsum. Und indem u. a. neue technologische Möglichkeiten genutzt werden, um in selbstorganisierten Gemeinschaften selbst Dinge zu produzieren – Dinge für den täglichen Bedarf, wie Lebensmittel, und Dinge, die man ggf. auch verkaufen kann. So verschwände die klassische Lohnarbeit wieder. Die übrige Zeit kann man dann darauf verwenden, seine Berufung zu finden und ihr nachzugehen. Verdient man dann irgendwann genug mit seiner Berufung, gibt man die Lohnarbeit auf. Wenn dies nicht gelingt, arbeitet man Teilzeit, reduziert den Konsum weiter und erhöht die Selbstversorgung und widmet die übrige Zeit der Berufung.

Was sollen wir aus New Work machen?

Sind wir aber so weit weg davon, Arbeit zu einem Teil sinnerfüllten Lebens zu machen?Eigentlich nicht. Es ging Bergmann darum, dass wir Freude in unserer Arbeit finden, möglichst selbstbestimmt agieren können und unsere Persönlichkeit entfalten können. Was also tun?

  1. Den passenden Beruf finden ist der erste Schritt.
  2. Wenn wir in Anstellung gehen, dann möglichst dort, wo wir
  • genug Freiheit im Job bekommen und
  • uns mit dem beschäftigen können was uns Freude macht und
  • unsere Arbeit so zu gestalten, wie es uns Freude macht, und schließlich
  • wo wir Möglichkeiten haben, was in uns steckt einzubringen und zu entfalten.

Die Zeit, die wir auf der Arbeit verbringen, soll zu einem Teil eines erfüllten Lebens werden, nicht Teil sein, den es jeden Tag von acht bis sechzehn Uhr zu überbrücken gilt.

Ob wir dann in den Kaffeepausen um einen Tischfußball herumstehen, ob wir im Open Space oder im eigenen Büro sitzen, ob wir Kollegen und Chef zu Freunden machen wollen, ob wir im Enterprise Social Network präsent sein wollen, ob wir unsere To Dos auf bunten Zettelchen auf einem Kanbanboard anheften, das ist vielleicht gar nicht so wichtig.

Die Wahl und das Gestalten der Arbeit aber in die eigenen Hände zu nehmen, das ist New Work.

 

Stefanie Puckett
Senior Beraterin @metaberatung

 

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